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Vorgeschichte des Flamenco

Die Entwicklung des Flamenco I

Die Entwicklung des Flamenco II

Die Cafe Cantante I

Die Cafe Cantante II

 

 

Die Cafe Cantante I

Konkret begann die Geschichte des Flamenco erst, als die Akteure sich professionalisierten und in speziellen Flamenco-Lokalen auftraten, den so genannten cafes cantantes oder cafes de cante; die vorausgegangene Epoche, in der der Flamenco ausschließlich im privaten Rahmen gepflegt wurde, war nur eine Übergangsphase. Die halbprivaten Feste und Aufführungen, denen Estebanez Calderon und Baron Davillier zwischen 1847 und 1862 beiwohnten, fanden zu einer Zeit statt, als es die berühmten cafes cantantes schon gab. Ende der 1840er Jahre hatten sich einige Ballettschulen, die öffentlich probten, zu wahren Tanztheatern entwickelt, die ihrem Publikum ein mehrteiliges, mit Zwischenspielen garniertes Tanz- und Gesangsprogramm anboten.

Die renommierteste Einrichtung dieser Art war in den sechziger Jahren aus der Tanzschule von Miguel Barrera hervorgegangen: der Salon de Recreo, eröffnet von Luis Botella im Herzen von Sevilla.

In den Programmheften dieser Salons tauchte nicht immer das Wort »Flamenco« auf. Die ersten cafes cantantes, die ab 1847 in Sevilla eröffnet wurden - Los Lombardos, Los Cagajones, El Arenal, Las Triperas, das Cafe de Varie-dades, das Cafe Sevillano oder La Escalerilla -, widmeten sich keineswegs ausschließlich dem Flamenco. Wenn es möglich war, wurden zum Beispiel im Variedades auch Theaterstücke, Singspiele und, wie der Name des Lokals schon andeutet, richtige Variete-Shows inszeniert. Wie in allen Cafes gab es abwechselnd Salontänze und spanische beziehungsweise andalusische Tänze wie den Bolero oder die so genannten bailes de palillos (Kastagnetten-Tänze). Die Blütezeit der cafes de cante begann eigentlich 1880, als Silverio Franconetti und Manuel Ojeda »El Burrero« das Cafe de la Escalerilla eröffneten, aus dem im Folgejahr das Cafe del Burrero wurde - Franconetti hatte sich von seinem Mitgesellschafter getrennt und sein eigenes Flamenco-Lokal aufgemacht: das Cafe de Silverio in der Rosario-Straße. Silverio Franconetti, der 1829 als Sohn eines Italieners und einer Andalusierin in Sevilla geboren wurde, war ein außergewöhnlicher Mensch. 1865, nach einem achtjährigen Aufenthalt in Südamerika, hatte er sich bereits als Flamenco-Sänger etabliert, und zwar durch seine Auftritte im berühmten Salon de Recreo, dessen Leitung er wenige Jahre später übernahm. Zusammen mit dem Burrero gehörte das Cafe de Silverio zu den Hochburgen des Flamenco-Gesangs, und viele große Künstler dieser Zeit - »des goldenen Zeitalters des Flamenco«, wie manche sagten - traten hier auf. Es fällt auf, dass es unter diesen Stars doppelt so viele Payos (»Nicht-Zigeuner«) gab wie Gitanos, aber auch letztere waren durch einige glanzvolle Namen vertreten: Merced Fernandez Vargas »La Serneta«, die unangefochtene Meisterin der solea; Maria Valencia »La Serrana«, die Tochter von »Paco La Luz«, der großartige siguiriyas schrieb; Fernando Ortega »El Mez-cle«; schließlich die Tänzerinnen Juana Vargas »La Macar-rona« und Carlota Ortega Fernandez. Unter den Payos, die im Cafe de Silverio auftraten, war der berühmteste — neben dem Hausherrn selbst natürlich - Antonio Chacön. »Silverio« hatte Chacön 1886 unter Vertrag genommen, als dieser erst siebzehn Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt war der Junge schon ein berühmter Sänger, und »Silverio« zahlte ihm eine Tagesgage von sechzehn Peseten und 25 Centimos, was für die damalige Zeit absolut sensationell war. Silverio Franconetti war beim Gitano »El Fillo« in die Schule gegangen und hatte sich als Interpret von siguiriyas einen Namen gemacht. Ein anderer Gitano, Enrique Jimenez »El Mellizo«, war der Mentor des jungen Chacön gewesen, der, nebenbei bemerkt, in San Miguel, dem Gitano-Viertel von Jerez, aufgewachsen war. Chacon interpretierte alle Liedtypen des Flamenco, aber seine Stimme war nicht so rauh wie die von »El Fillo« oder »Silverio«, und die Gesangsstile aus der andalusischen Volksmusik lagen ihm viel mehr als die so genannten »primitiven« Formen, die tonas und siguiriyas, die ureigenen Stile der Gitanos.

In den Stilen, die aus der andalusischen Folklore hervorgegangen waren, feierte Chacön überwältigende Erfolge. Aber auf diesem Gebiet verfügte auch die Konkurrenz, das Cafe El Burrero, über einige Trümpfe: Francisco Lema »Fosforito« aus Cadiz, ein Schüler von »El Mellizo«, und »Concha La Penaranda« aus Cartagena. Kurz bevor Chacon die Bühne des Cafe de Silverio eroberte, gab es im Burrero noch zwei weitere Spezialisten für die ostandalusischen Stile: »La Rubia de Malaga« und »El Canario«, der 1885 vom Vater ersterer umgebracht wurde.

Der Erfolg der cafes cantantes in Sevilla führte zu deren schneller Verbreitung, nicht nur in der Hauptstadt Andalusiens, wo etwa dreißig Lokale gezählt wurden, sondern in allen großen Städten Südspaniens: Cadiz, Jerez, Malaga, Granada, Cordoba oder Almeria. Besonders viele cafes gab es auch in Madrid, und sogar in Barcelona und Bilbao wurden welche eröffnet.

 

Zum Thema Flamenco siehe auch: 

www.theateraustria.net

www.theateraustria.com

 

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